Dein Zyklus ist nicht gegen dich

Warum reagieren wir auf dieselben Umstände manchmal ganz entspannt und manchmal mit viel Wut, Frust oder Überforderung? – weil wir zyklische Wesen sind und jeden Tag eine andere Energie zur Verfügung haben und uns dadurch auch jeden Tag ein bisschen anders fühlen. Im folgenden Artikel lernst du die Grundlagen der Hormone im Zyklus kennen und was das in deinem Körper auslöst. Außerdem erkläre ich, wie du deinen Zyklus in vier Jahreszeiten einteilen und deren unterschiedliche Qualitäten gut für dich nutzen kannst.

Kennst du deinen Zyklus?

Zykluskalender. Zyklus App. Zyklustracking. Zyklusrad. Egal wie du es machst, Hauptsache du machst es: dir aufschreiben, wann du deine Tage hast. Und dann geht da noch viel mehr. Laune, Lust, Energie – im Laufe unseres Zyklus verändert sich ganz viel – wie wäre es, dich mit einem Zyklusrad besser kennenzulernen? Denn dann weißt du, wann du viel Energie und eine tolle Ausstrahlung für das wichtige Meeting, die Feier, den Nachtclub, das Fotoshooting oder deinen Sport hast. Du weißt aber auch, wann du mehr Rückzug brauchst, also besser keine Termine legst, langsamer machst, liebevoll und nachsichtig mit dir bist, statt jeden Monat aufs Neue von gewissen Gefühlen überrascht und überrollt zu werden. Aber auch wenn du dich für hormonelle Verhütung entschieden hast, kann das Wissen um die Jahreszeiten und Mondphasen deinen Alltag und deine Planung bereichern. Die Infos zu deinen Hormonen etc. beziehen sich jedoch auf einen natürlichen Zyklus ohne Hormonzugaben.

Wie lang ist mein Zyklus?

Normale Zykluslänge. Als normal werden Zyklen bezeichnet, die eine Länge von 23 bis 35 Tagen haben. Die Länge deines Zyklus wird von deiner Follikelphase (innerer Frühling) bestimmt, also wie lange es dauert, bis das Ei zum Eisprung bereit ist. Die Dauer des Frühlings ist nicht festgelegt, es kann Tage bis Wochen bis zum Eisprung dauern. Es kann außerdem gut sein, dass dein Zyklus innerhalb eines Jahres mal ein paar Tage kürzer und dann wieder etwas länger ist.

Dein Zyklus und die Hormone

Regelblutung
Dies ist dein körperlicher Winter. Der erste Tag deiner Blutung markiert den ersten Tag deines Zyklus, weil er so gut zu bestimmen ist. Durch die Regelblutung wird die Schleimhautschicht der Gebärmutter abgestoßen und ausgeschwemmt.

Follikelphase
Nun folgt dein Frühling. Wenn deine Blutung vorbei ist, wird eine neue Schleimhautschicht aufgebaut. Dies passiert mit Hilfe von Östrogen, welches in den Eierstöcken gebildet wird. Gleichzeitig reift in einem Eierstock ein Follikel heran, mit einer Eizelle darin. Auch Progesteron, aus den Follikelzellen selbst, unterstützt die Eireifung.

Zervixschleim
Kurz vor deinem Eisprung ist der Östrogengehalt im Blut am höchsten. Er trägt auch dazu bei, dass sich der sog. Zervixschleim am Gebärmutterhals bildet. Dieser kann zu leichtem Ausfluss in der Zeit vor und während deines Eisprungs führen und ist völlig normal. In dem nährstoffhaltigen Zervixschleim können Spermien bis zu fünf Tage überleben. Zusammen mit den 12-18 Stunden, die das Ei befruchtet werden könnte, ergeben sich etwa sechs fruchtbare Tage pro Zyklus.

Eisprung
Noch vor deiner Geburt wurden 100.000e Eizellen in deinem Körper angelegt, mit dem Eisprung ist so eine Zelle nun aus ihrem Tiefschlaf erwacht und wartet im äußeren Drittel des Eileiters auf ihre Befruchtung. Findet diese nicht innerhalb von 12-18 Stunden statt, stirbt die Eizelle ab und löst sich auf.

Erste Hälfte der Lutealphase
Der Eisprung bedeutet den Übergang in deinen Sommer. Dieser ist vom Hormon Progesteron bestimmt, während die Östrogenkonzentration langsam wieder abnimmt. Deine Körpertemperatur erhöht sich um 0,4 bis 0,6 Grad, was deine Stoffwechselgeschwindigkeit erhöht und zu mehr Appetit führen kann. Die Lutealphase dauert vom Eisprung bis zur nächsten Blutung. Sie kann 10 bis 16 Tage dauern. Ich gehe auf meinem Zyklusrad der Einfachheit halber von 14 Tagen aus.

Zweite Hälfte der Lutealphase
Nun beginnt dein Herbst. Etwa eine Woche nach deinem Eisprung ist die Gebärmutterschleimhaut perfekt auf eine etwaige Einnistung eines Eis vorbereitet und der Zervixschleim am Gebärmutterhals wird zäh, damit keine weitere Eizelle mehr hindurchkommt. Wenn keine Schwangerschaft eintritt, löst sich der vom Eisprung übrig gebliebene Gelbkörper auf und die Produktion von Progesteron geht innerhalb der nächsten Woche wieder zurück. Dadurch kann auch die Schleimhaut nicht mehr aufrechterhalten werden und es kommt zur Regelblutung. Dein Winter beginnt erneut.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Menstruationszyklus
http://www.zyklus-wissen.de/
Grafik: Thomas Steiner, Image:MenstrualCycle.png, CC-by-SA 2.5.
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:MenstrualCycle_de.svg

Was macht der Zyklus mit mir?

Das war jetzt mal die graue Theorie. Aber was genau macht der Zyklus, bzw. die unterschiedlichen Hormonlagen in deinem Körper jetzt mit dir?
Klar ist, jede Frau erlebt ihren Zyklus anders, aber es gibt ein paar Tendenzen, die ich nachfolgend vorstellen möchte. Bitte suche dir die Dinge heraus, die auf dich zutreffen bzw. mit denen du gut arbeiten kannst. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern möchte dir einfach ein paar Gedankenanstöße liefern. Die nachfolgenden Infos beziehen sich auf einen natürlichen Zyklus ohne Hormonzugaben.
Überall in der Natur kommen Zyklen vor und einige mit jeweils vier Phasen. Da gibt es morgens, mittags, abends und nachts. Es gibt Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Es gibt den zunehmenden Mond, Vollmond, den abnehmenden Mond und Neumond. Und all diese Zyklen haben Eigenschaften, die sich auch auf unseren Menstruations-Zyklus übertragen lassen.

Winter

Winter (Neumond, Nacht, Yin-Energie, weise Frau) das ist die Zeit deiner Regelblutung. Eine Zeit des Rückzugs, des Ausruhens und Loslassens. Vielleicht fühlst du dich müde und hast evtl. Unterleibsschmerzen. Gönn dir so viel Ruhe wie möglich. In dieser Phase kann deine Intuition besonders feinfühlig sein. Ideen aber auch Einsichten kommen zu dir, vielleicht für ein neues Projekt. Zum Reflektieren kann dir ein Tagebuch helfen. Versuche, bei deiner Intuition zu bleiben und das Rationale erst mal außen vor zu lassen. Dafür ist später noch Zeit. Dein Körper freut sich außerdem über Spaziergänge oder ganz entspanntes Yoga – gerne in weichen und bequemen Klamotten, da du auch körperlich empfindlicher bist. Auch wenn es dir schwerfällt, dir wirklich Zeit zu nehmen und Termine zu verschieben, es lohnt sich. Du kannst über Vergangenes reflektieren und dir neue, visionäre Ziele setzen, während dein Körper Kraft tankt für die kommenden Wochen.

Frühling

Frühling (zunehmender Mond, Morgen, Yin-Energie, junge Frau) das ist die Zeit der Eireifung, die Follikelphase. Diese Phase ist in ihrer Dauer variabel und kann Tage bis Wochen dauern. Durch sie definiert sich die Gesamtlänge deines Zyklus‘. Wie im Frühling alles anfängt zu wachsen und du am Morgen neue Energie verspürst, ist auch diese Phase von zunehmender Energie geprägt. Du bist selbstbewusster, konzentrierter, kannst rationale Entscheidungen treffen und die Projekte, die du im Winter geplant hast mit Elan angehen. Du hast wieder (mehr) Lust auf soziale Kontakte und Bewegung.

Sommer

Der Eisprung markiert den Übergang in deinen Sommer (Mittag, Vollmond, Yang-Energie, Frau/Mutter). Die Lutealphase beginnt, sie dauert insgesamt 10 bis 16 Tage, in der Regel wird von 14 Tagen zwischen Einsprung und Regelblutung ausgegangen. Deine Hormone Testosteron, Dopamin, Serotonin und Östrogen sind auf dem Höhepunkt. Jetzt fühlst du dich sehr wohl in deinem Körper und strahlst das auch aus. In dieser Zeit kannst du gut mit Kritik umgehen und zu dir stehen. Ein wichtiges Meeting, ein Vortrag, Feiern gehen – alles kein Problem, du hast viel Energie und kannst deine Ideen und Vorschläge gut rüberbringen. Auch kann es gut sein, dass du jetzt mehr Lust auf Sex, Sport und Spaß hast. Am Ende dieser Phase erreicht dann auch das Hormon Progesteron seinen Höhepunkt, es lässt dich gut ein- und länger durchschlafen.

Herbst

Dein innerer Herbst ist die zweite Hälfte der Lutealphase (Abend, abnehmender Mond, Yin-Energie, wilde Frau). Diese Phase eignet sich gut, um Projekte noch einmal kritisch zu überarbeiten und abzuschließen, aber auch Routinearbeiten lassen sich gut in dieser Phase ausführen. Außerdem kannst du in dieser Zeit gut ausmisten, denn du kannst leichter einschätzen „Was will ich und was nicht mehr?“ du bist kompromisslos und ganz bei dir. Du bist aber auch empathisch und kannst dich gut in dich und andere hineinfühlen. Deinen Emotionen kannst du auch einen kreativen Output geben: Singen, Tanzen, Malen – wonach dir eben ist. Deine Kraft und Geduld nehmen langsam ab, gib dir Momente zum Entspannen und mache eher leichten Ausdauersport für mehr Wohlbefinden. Diese Phase ist sehr ehrlich, es setzen sich Mechanismen in Gang, die bereits bestehende Probleme aufdecken – das kann im ersten Moment etwas überwältigend scheinen, bietet aber auch die Möglichkeit genauer hinzusehen und Gewohnheiten und Glaubenssätze aufzugeben, die dir nicht mehr dienen. Mit Einsetzen deiner Regelblutung beginnt dein Winter erneut.

Wie geht es weiter?

Ich hoffe du kannst positive Impulse mitnehmen und dich und deinen Zyklus in einem ganz neuen Licht sehen. Liebevoller mit dir in den einzelnen Jahreszeiten umgehen und vorausschauender planen. Wenn du dich und deinen Zyklus noch besser kennenlernen willst, dann komm gern in meinen Online-Atemkurs für Frauen. Mehr Infos dazu findest du hier: Atemkurse für Frauen

Weitere Impulse zu Atem, Achtsamkeit, Zyklus, Mindset, Self Care etc. findest du außerdem bei facebook und auf meinem Instagram-Profil @gesawinger